Der Friedhof auf dem Tabor

Im 16. Jahhundert wurde eine neuer Friedhof am Tabor angelegt, weil auf dem Friedhof um die Pfarrkirche zu wenig Plätze für die Beisetzungen waren und manche Begräbnisse nach Garsten ausweichen mussten. Besonders der älteste Teil aus der Renaissancezeit ist eine bauliche Kostbarkeit, die seinesgleichen in Europa sucht.

Der Renaissance-Friedhof ist ein sogenannter "Campo Santo" (ein heiliges Feld). Am bekanntesten ist der Campo Santo Teutonico im Vatikan für die deutschsprachige Bevölkerung in Rom.

Ein Campo Santo ist meist quadratisch angelegt, vergleichbar mit der Anlage des Tempels in der Vision des Propheten Ezechiel, ein Ort der Ruhe, an dem die Verstorbenen ihrer Auferweckung entgegenschlafen. Dies kommt in der Inschrift über dem Westeingang des Friedhofes in Steyr besondes schön zum Ausdruck.

Haec loca corporibus defunctis Stira paravit
Aeterni at Domini est fertilis illa seges
Somnum, non mortem spectas in morte piorum
Inque Deo salvi, qui moriuntur erunt.

Diese Stätte hat Steyr den Leibern der Toten bereitet
Fruchtbarer Acker jedoch ist sie, des ewigen Herrn
Schlaf, nicht den Tod ersiehst Du im Sterben der Frommen,
denn geborgen in Gott werden, die sterben, ja sein.

Bedenk mensch, das wir sterblich sein.
Du gehest hir aus und ein
Glaube an Christum den Herrn,
So wirst nicht ewig sterben.
tausendfünfhundertachtzigvier
Baut Steirstadt das Schlafhaus alhier.
Auferstehn und ewigs leben
Wird uns Gott aus Gnaden geben.