Könige des Glaubens

Könige des Glaubens - Die Weisen aus dem Osten

Die Stadtpfarrkirche hat neben den Heiligen Ägidius und Koloman noch ein drittes (heimliches) Patrozinium: Die Heiligen Drei Könige.

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Mt 2,1-2). An dieser Erzählung aus der Vorgeschichte des Evangeliums nach Matthäus mit ihren vielen Zitaten aus dem Alten Testament und versteckten Andeutungen auf Wirken und Aufgabe Jesu haben sich im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Legenden gebildet. Damit entstand die Verehrung der Heiligen Drei Könige und mit Spuren in Kultur und Brauchtum. Wie im 4. Jahrhundert das Fest der Erscheinung des Herrn, das am 6. Jänner gefeiert wird, vom Osten auch im Westen übernommen wurde, so kam auch die Verehrung der Heiligen Drei Könige vom Osten zu uns in den Westen.

Wie kam es dazu, dass aus den Sterndeutern, den Magiern aus dem Osten, drei Könige wurden? Zunächst hängt das zusammen mit der Ausdeutung der Erzählung des Evangeliums. Schon im 1. Jh. spricht Ignatius von Antiochia von der beispielhaften Bekehrung der Magier, und im 2. Jh. deutet Irenäus von Lyon die symbolische Bedeutung der Gaben für unser Leben. Im 3. Jh. nennt Origenes zum ersten Mal die Dreizahl der Magier. Schließlich meinen die großen Theologen des Ostens im 4. Jh. wie Gregor von Nazianz: „Wir wollen uns denen anschließen, welche ihn anbeten“, und wollen dem, der am Kreuz gestorben ist, geistige Gaben darbringen. Seit dem 3. Jh. gibt es bildliche Darstellung der drei Weisen, meist mit der Kopfbedeckung persischer Gelehrter. Papst Leo der Große (+461) sieht im Evangelium von den Magiern die Berufung der „Völker“ zum Glauben, wodurch das Fest zum Missionsfest geworden ist. Und Cäsarius von Arles nennt die Magier „Könige des Glaubens“. Aber woher sie kamen, stand nicht fest. In einer Legendensammlung des 6. Jh. werden sie jedenfalls als Könige von Persien, Saba und Scheba genannt. Von da an werden auch Namen genannt, allerdings nach Regionen verschieden. Beda der Ehrwürdige (+735) nennt in England erstmals die uns bekannten Namen: Melchior (ein Greis mit grauem Haar), Kaspar (ein bartloser Jüngling mit rötlicher Hautfarbe) und Balthasar (mit dunklen Haaren und vollem Bart). Übrigens hängt der Name Melchior mit dem hebräischen Wort „melek“ = König zusammen und Balthasar mit dem Namen des babylonischen Königs Belschazzar. „Die im Morgen- und Abendland entstandenen Erzählungen wurden in der zweiten Hälfte des 14. Jh. von Johannes von Hildesheim in der „Legende von den Heiligen Drei Königen“ zusammengefasst. Nach ihm kam Kaspar aus Nubien, Balthasar aus Indien und Melchior aus Arabien. Nach der Auferstehung Jesu verkündeten sie zusammen mit den Apostel Thomas in ihren Ländern als Erzbischöfe den Glauben, den sie über den Tod hinaus durch viele Zeichen und Wundern an ihren Gräbern bestätigten“ (Walter Heim). Die Beschäftigung mit den Sterndeutern zeigt auch die wachsende Verehrung, die ihnen zuteil geworden ist.

Im Verlauf des 4. Jahrhunderts wurde im Westen am 6. Jänner das Fest der Erscheinung des Herrn von den Ostkirchen mit seinen drei Geheimnissen übernommen, nämliche der Anbetung des Kindes durch die Weisen, der Taufe des Herrn und der Hochzeit von Kana. Von da an entwickelte sich besonders in der Volksfrömmigkeit immer stärker die Verehrung der Heiligen Drei Könige. Von Mailand ausgehend kam die Verehrung über die Alpen, wo Köln das Zentrum der Verehrung wurde, besonderst seit die „Reliquien“ im herrlichen Dreikönigsschrein von Nikolaus von Verdun ihre Ruhestätte fanden.

Wegen der weiten Reise der Magier und der Reise der Reliquien wurden die Heiligen Drei Könige zu Reisepatronen. Daher gibt es viele Gasthäuser, die an den „Königszug“ erinnern: Zu den Drei Königen, Zum Mohren, Zum Stern. Auch Patrozinien sind an Orten entstanden die mit Reisenden und Händlern viel zu tun haben. Nennen möchte ich besonders Gmunden und – man höre! – auch bei uns in Steyr, wo ein Bild von C. Reslfeld mit der Darstellung der Anbetung der Weisen hängt, sich ein Dreikönigsaltar im linken Seitenschiff befindet und auf einem Kelch eine Darstellung der Drei Könige zu finden ist.

Die Verehrung war so stark, dass der Dreikönigstag am 6. Jänner zum „Großneujahr“, zum volkstümlichen Neujahrstag am Beginn der Reise durch das neue Jahr wurde, wenngleich der Kalender einen anderen Neujahrstag nennt. Darum wird am Ende des Festgottesdienstes feierlich der Festkalender des neuen Jahres verkündet. Mit dem Dreikönigswasser (ursprünglich dem Taufwasser dieses großen Tauftages der Kirche neben der Osternacht), wurden Haus und Hof gesegnet. Zur Haussegnung wurde und wird bis heute der Segen mit der Jahreszahl über die Tür geschrieben: „Christus Mansionem Benedicat“ (Christus segne diese Bleibe).

Um 1100 ist bezeugt, dass in Sitten (Schweiz) drei Domherren, begleitet von einem Akolythen mit Kerze (Symbol für den Stern) Gaben in die Kirche hereinbrachten. Später wurde dieses einfache Spiel durch Hirten, Engel und die Heilige Familie erweitert, was allerdings den Rahmen der Liturgie sprengte. So wurde diese Spiel nicht mehr in der Kirche, sondern nach dem Gottesdienst vor der Kirche aufgeführt, wo manchmal der „Mohrenkönig“ Kaspar seine Späße trieb. Ähnlich entstanden auch die Osterspiele.

Aus diesem Dreikönigsspiel entstand dann das Sternsingen, das mit einem alten Heischebrauch verbunden wurde. Kinder zogen von Haus zu Haus und von Hof zu Hof, sangen ihre Neujahrswünsche und erhielten dafür zum Dank Naturalgaben – eine Gelegenheit vor allem für Kinder aus armen Familien. In der Schweiz entstand durch die „Bethlehem Mission Immensee“ 1947 aus dem „Negerligehen“ das Sammeln für die Mission. Und 1955 hat die Kath. Jungschar in Österreich das Anliegen aufgegriffen und mit der Sternsingeraktion ein großes Werk für den Aufbau der Kirchen in armen Ländern geschaffen. So sind die Sternsinger bei uns zum Beginn des Neues Jahres unterwegs, um den Menschen Segen für das Jahr zu wünschen und erhalten zum Dank Gaben für die Werke der Mission der Kirche.